Schutzklasse I, II und III einfach erklärt – Bedeutung, Unterschiede & Beispiele
- AdaptING GmbH

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Elektrischer Strom ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Ob Haushaltsgeräte, Werkzeuge, Beleuchtung oder Unterhaltungselektronik – überall fließt Strom. Gleichzeitig birgt Elektrizität Risiken, vor allem dann, wenn es zu Defekten, Beschädigungen oder Installationsfehlern kommt. Um Menschen zuverlässig vor elektrischem Schlag zu schützen, wurden sogenannte Schutzklassen eingeführt.
Doch was bedeutet eigentlich Schutzklasse I, II oder III? Wo liegen die Unterschiede, und welche Schutzklasse ist für welchen Einsatzbereich geeignet? In diesem Beitrag erklären wir die Schutzklassen einfach, verständlich und praxisnah.

Was sind Schutzklassen und warum sind sie so wichtig?
Die Schutzklasse eines elektrischen Geräts beschreibt, welche technischen Maßnahmen getroffen wurden, um Menschen vor gefährlichen Berührungsspannungen zu schützen. Entscheidend ist dabei der sogenannte Fehlerfall, also der Moment, in dem z. B. eine Isolierung beschädigt ist oder ein stromführender Leiter ein Gehäuse berührt.
Ohne geeignete Schutzmaßnahmen könnte in solchen Fällen das Gehäuse unter Spannung stehen. Wer es berührt, würde Teil des Stromkreises werden, mit potenziell lebensgefährlichen Folgen.
Deshalb sind Schutzklassen ein zentrales Element der elektrischen Sicherheit und in verschiedenen Normen geregelt, unter anderem in der DIN VDE 0100 und der DIN EN 61140.
Wichtig zu wissen:Die Schutzklasse sagt nichts über den Schutz vor Wasser oder Staub aus. Dafür sind die IP-Schutzarten zuständig. Schutzklasse und IP-Schutz werden oft verwechselt, erfüllen aber völlig unterschiedliche Aufgaben.
Schutzklasse I – Geräte mit Schutzleiter (PE)
Grundprinzip der Schutzklasse I
Geräte der Schutzklasse I setzen auf eine klassische und sehr bewährte Schutzmaßnahme: den Schutzleiter (PE). Alle berührbaren, leitfähigen Gehäuseteile (häufig aus Metall) sind mit diesem Schutzleiter verbunden.
Kommt es im Inneren des Geräts zu einem Fehler, etwa durch ein beschädigtes Kabel oder eine gelöste Klemme, wird der entstehende Fehlerstrom über den Schutzleiter sicher zur Erde abgeleitet.
➡️ Dadurch lösen Sicherung oder FI-Schutzschalter aus und schalten das Gerät sofort spannungsfrei.
➡️ Der Mensch kommt so gar nicht erst mit gefährlicher Spannung in Berührung.
Typische Merkmale
Anschluss über Schutzkontaktstecker
Vorhandensein eines grün-gelben Schutzleiters
Häufig metallische oder leitfähige Gehäuse
Fester Anschluss an eine vorschriftsmäßige Elektroinstallation
Beispiele aus dem Alltag
Waschmaschinen
Elektroherde
Kühlschränke
Geschirrspüler
Heizgeräte
Größere Maschinen in Werkstätten
Vorteile & Hinweise
✅ Sehr hohe Sicherheit bei korrekter Installation
⚠️ Schutz funktioniert nur bei intaktem Schutzleiter
⚠️ Nicht geeignet für Steckdosen ohne PE (z. B. Altbauten)
Schutzklasse II – Sicherheit durch doppelte Isolierung
Was bedeutet Schutzklasse II?
Bei Geräten der Schutzklasse II erfolgt der Schutz nicht über einen Schutzleiter, sondern über eine doppelte oder verstärkte Isolierung. Selbst wenn eine Isolationsschicht beschädigt wird, bleibt noch eine zweite Schutzebene erhalten.
➡️ Deshalb sind diese Geräte auch ohne Schutzleiter sicher.
Typische Merkmale
Kein Schutzleiter, kein Schutzkontakt
Meist zweipoliger Stecker
Symbol: zwei ineinander liegende Quadrate
Kunststoffgehäuse oder besonders isolierte Bauweise
Typische Geräte der Schutzklasse II
Handbohrmaschinen und Elektrowerkzeuge
Staubsauger
Föhne
Netzteile und Ladegeräte
Viele Haushaltskleingeräte
Vorteile & Hinweise
✅ Sehr sicher auch ohne Schutzleiter
✅ Ideal für mobile Geräte
✅ Geringeres Risiko bei beschädigten Steckdosen
Schutzklasse III – Sicherheit durch Schutzkleinspannung
Was bedeutet Schutzklasse III?
Schutzklasse III verfolgt einen anderen Ansatz: Gefährliche Spannungen werden von vornherein vermieden. Die Geräte werden ausschließlich mit Schutzkleinspannung (SELV oder PELV) betrieben, meist unter 50 Volt Wechselspannung.
Die notwendige Umwandlung von 230 V auf Niederspannung erfolgt über ein externes Netzteil oder einen Transformator, der selbst einer höheren Schutzklasse entspricht. Die Spannung ist so niedrig, dass keine gefährliche Berührungsspannung entstehen kann.
➡️ Selbst bei direktem Kontakt besteht keine Stromschlaggefahr.
Typische Merkmale
Betrieb mit Niederspannung (z. B. 12 V oder 24 V)
Versorgung über Netzteil oder Transformator
Kein direkter Anschluss an 230 V
Beispiele für Schutzklasse III
LED-Leuchten
Spielzeuge
Garten- und Teichbeleuchtung
Türklingeln
Modellbau und Steuerungsterchnik
Vorteile & Hinweise
✅ Höchste Sicherheit für Menschen
✅ Ideal für Feuchträume & Außenbereiche
⚠️ Leistung begrenzt, nicht für große Verbraucher geeignet
Vergleichstabelle: Schutzklasse I, II und III
Schutzklasse | Schutzprinzip | Schutzleiter | Betriebsspannung | Typische Geräte |
I | Schutzleiter (PE) | Ja | 230 V | Waschmaschine Herd Kühlschrank |
II | Doppelte / verstärkte Isolierung | Nein | 230 V | Staubsauger Bohrmaschine Ladegerät |
III | Schutzkleinspannung (SELV/PELV) | Nein | ≤ 50 V | LED-Leuchten Spielzeug Gartenbeleuchtung |
Welche Schutzklasse ist die beste?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Jede Schutzklasse hat ihren klar definierten Einsatzbereich:
Schutzklasse I: ideal für leistungsstarke, fest installierte Geräte (z.B. feste Haushaltsgeräte)
Schutzklasse II: optimal für mobile und handgeführte Geräte (z.B. Mobile Geräte & Elektrowerkzeuge)
Schutzklasse III: maximale Sicherheit bei niedriger Leistung (z.B. Kinder, Feuchträume, Außenbereiche)
➡️ Entscheidend ist immer der konkrete Anwendungsfall, nicht die Schutzklasse allein.
Fazit: Schutzklassen verstehen heißt Risiken vermeiden
Die Schutzklassen I, II und III sorgen dafür, dass elektrische Geräte trotz hoher Spannungen sicher genutzt werden können. Wer ihre Unterschiede kennt, kann Geräte richtig auswählen, sicher einsetzen und typische Gefahren vermeiden – besonders bei Renovierungen, Neubauten oder im Außenbereich.
Gerade für Bauherren, Eigentümer und Heimwerker ist dieses Wissen ein wichtiger Baustein für mehr Sicherheit im Alltag.
Häufige Fragen zur Schutzklasse
Ist Schutzklasse II sicherer als Schutzklasse I?
Nicht pauschal. Beide bieten hohe Sicherheit – aber auf unterschiedliche Weise.
Kann ein Gerät mehrere Schutzklassen haben?
Nein. Jedes Gerät ist genau einer Schutzklasse zugeordnet.
Darf man den Schutzleiter entfernen?
Nein! Das ist lebensgefährlich und unzulässig.
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